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Engineering im Umbruch

Engineering ist zu einem bedeutenden Teil der gesamten Wertschöpfung geworden. Wenn etablierte Wertschöpfungsprozesse sich verändern, betrifft das auch die Rolle des Engineerings. Der Wandel ist nur dann erfolgreich machbar, wenn die Änderung als Chance verstanden wird.

Gepostet am: 24. Okt 2019

Was mit Steinwerkzeugen begann, ist zu einem hochtechnisierten Geschäft geworden. Die Rede ist von der Herstellung von Gebrauchsgegenständen. Ein Heerschar von Unternehmen weltweit beschäftigt sich mit der Herstellung von Produkten für jeden erdenklichen Verwendungszweck. Heute ist ein komplexer Konstruktionsprozess dem Herstellungsprozess vorgelagert. Er ist mittlerweile Teil der gesamten Wertschöpfung geworden. Deren ständige Verbesserung ist ein sehr wichtiges Ziel eines jeden Unternehmens. Die Frage ist bloß: was kann die Konstruktion dazu beitragen?

Höhere Wertschöpfung kann beispielweise durch höhere Effizienz erreicht werden. Der erste Schritt in diese Richtung wurde bereits in den 90er Jahren gemacht, als die Digitalisierung der Pläne vollzogen wurde. Die gleichzeitig ansetzende Globalisierung erzeugte zudem zusätzlichen Preis- und Zeitdruck und steigenden Qualitätsanforderungen. Gegen der Jahrtausendwende wurden die einst eigenständige Planungsdisziplinen, wie Mechanik, Elektrik und Software immer stärker auf die Daten voneinander angewiesen. Der mechatronische Gedanke war geboren, als nächster logischer Schritt. Aus der Idee entstand der viel versprechende Ansatz zum funktionalen Engineering, dem der Durchbruch aber bis heute nicht gelungen ist. Über die Gründe lässt sich trefflich diskutieren, ein Mangel an geeigneten Planungstools gehört aber ebenso dazu wie der fehlende Konsens darüber, wie funktionales Engineering in der Praxis anzuwenden ist.

Mechatronik findet zwar in den Komponenten der Automatisierungstechnik immer mehr Anwendung, der Konstruktionsprozess selbst hat sich aber kaum verändert. Der wirtschaftlichen Globalisierung hat sich in diesem Jahrzehnt die Digitalisierung zugesellt. Durch die Verheißungen von Industrie 4.0 (IoT) geraten immer mehr Unternehmen in Zugzwang, denn der Preisdruck im Wettbewerb drückt auf die Marge, die steigende Individualisierung verlangt immer kürzere Innovationszyklen und die voranschreitende Digitalisierung verändert massiv die etablierten Wertschöpfungsprozesse. Viele Unternehmen erkennen, dass es sich was ändern muss. Doch wie werden Veränderungen in einem ohnehin komplexen technischen Prozess, wie Engineering bewerkstelligt?

Mit Effizienzsteigerung alleine ist es noch nicht getan. Wer sich dem Thema stellen will, muss sich über folgenden Aufgaben Gedanken machen:

  • Routineaufgaben automatisieren: was in der Produktion schon lange bekannt und gelebt ist, wird auch in der Konstruktion Einzug halten. Die Voraussetzung dafür ist allerdings ein klares Regelwerk, wie und was genau zu tun ist.

  • Prozesse anpassen: ein wichtiger Nebeneffekt der Automatisierung ist, dass sie bestehende Prozesse erheblich verändern kann. Die rechtzeitige Untersuchung der Auswirkungen von Automatisierung gehört somit zu den Pflichtaufgaben.

  • Wertschöpfungsstruktur überdenken: besonders die Digitalisierung verändert vorhandene Wertschöpfungsstrukturen radikal. Der Anteil vom Fertigungsprozess wird längerfristig sinken, daher sollten andere Unternehmensbereiche ihren Anteil erhöhen. Der Konstruktionsprozess birgt dabei ein nicht zu unterschätzendes Potenzial.

  • Produkt konfigurieren statt konstruieren: nur konfigurierbare Produkte erfüllen die doppelten Anforderungen nach steigender Individualisierung und beherrschbarer Produktkomplexität gleichzeitig. Wichtigste Voraussetzungen der Konfigurierbarkeit: Klarheit über Produktstruktur und Produktionsprozess. Ein wichtiges Nebeneffekt dabei ist, dass dieser Ansatz die Arbeitsmethoden verändert.

  • Organisation verändern: kurze Reaktionszeiten auf Änderungen am Markt benötigen in komplexen Prozessen eine Organisation, in der schnelle und fundierte Entscheidungen möglich sind, weil die Entscheidungsträger unmittelbarer Markt-Kontakt haben. Diese Anforderung kollidiert mit konventionellen hierarchischen Führungsstrukturen, weshalb das Unternehmen auch seine Organisation überdenken muss.