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Digitale Transformation [1]

Der Begriff ist allgegenwärtig. Ist es wirklich was besonderes oder ein alter Hut? Der Anfang einer kurzen Geschichte über die immer währende Transformation.

Gepostet am: 11.08.2019

Im zweiten Jahrzehnt des dritten Jahrtausends (N.C.) hört man oft und liest man viel über die digitale Transformation. Auf die Frage, was das eigentlich genau ist und was dabei transformiert wird, gehen die Meinungen - je nach dem, wen man fragt - sehr weit auseinander. Eines lässt sich jedoch sehr sicher sagen. Jede Antwort hat eine gewisse emotionale Ladung, welche entweder Begeisterung oder Angst zeigt. Ist das aber wirklich so schlimm oder wirklich so krass? Ist "digital" jetzt wirklich etwas Besonderes?

Digital hört sich zunächst sehr technisch an. Dabei ist die digitale Technik lediglich ein Mittel, genau genommen, ein Transportmittel. Sie ist mit dem Papier im vorhergehenden Jahrtausend vergleichbar. Das Papier ist der Träger der Schrift. Für die schriftliche Mitteilung der Information war Papier genauso unerlässlich, wie die digitale Technik für digitalisierte Information ist. Ist also die digitale Technik lediglich ein neues Trägermedium? Mitnichten. Um besser zu verstehen, was hier wirklich vor sich geht, lohnt es sich, einen Blick in die Geschichte der menschlichen Kommunikation werfen.

Die Weitergabe der Informationen war Jahrhunderte lang nur über die Schrift möglich gewesen. Abgesehen vom gesprochenen Wort. Im Gegensatz zur Sprache, vermag die Schrift allerdings die Information festzuhalten und diese so über Raum und Zeit zu transportieren. Die Schrift inkludierte schon immer die Sprache, denn sie ist immer nur im Kontext einer Sprache lesbar. Anders ausgedrückt: erst die Sprache ergibt der Schrift einen Sinn. In diesem Zusammenhang blickt aber selbst die Sprache auf einen langen Entwicklungsweg zurück.

  • mit der Gestik und Mimik fing alles an. Heute nennen wir diese, schon fast verlernte Art der Kommunikation als "Body language", also Körpersprache. Unsere zivilisierte Gesellschaft versteht leider kaum noch diese Sprache, in der Natur kann sie aber bis heute über Leben und Tod entscheiden. Bereits diese Art der Kommunikation hatte verschiedene Varianten, die auch als Sprachen oder zumindest Dialekte aufgefasst werden können. Es ist ja allgemein bekannt, dass zum Beispiel Hunde und Katzen mit völlig unterschiedlichen Körpersprachen kommunizieren. Das ist auch der Grund, warum sie sich so oft "missverstehen" und sich deshalb in den Haaren liegen.

  • das gesprochene Wort machte die Entwicklung der menschlichen Sprache(n) möglich. Bis heute ist dies der am häufigsten benutzten Weg in unserer Kommunikation. Menschen, die unterschiedlichen Sprachen sprechen und nur die jeweils eigene verstehen, habe dasselbe Problem bei der Verständigung, was ein Hund mit der Katze hat.

  • die Schrift eröffnete eine neue Dimension in der Kommunikation. Gedanken konnten nun festgehalten, also "konserviert" werden. Dadurch konnten sie nicht mehr nur der Zuhörerschaft übermittelt, sondern auch später noch von jedermann gelesen werden. Für die Konservierung ist allerdings auch ein Trägermedium benötigt. Anfangs war es ein Stein, dann das Pergament, später auch das Papier. Die schriftliche Kommunikation stößt naturgemäß auf dieselben Hürden wie die Sprache selbst. Wer die Sprache des Verfassers nicht kennt, tut sich schwer mit dem Lesen der fremden Schrift.

  • der Buchdruck machte die schriftliche Kommunikation viel effizienter. Durch diese Technik konnten Schriftstücke viel schneller vervielfältigt werden, als dies bis dahin möglich war. Der Druck wies zudem noch einen weiteren, gravierenden Unterschied zur Schrift auf. Während antike und frühe mittelalterliche Schriften in mühsamer Arbeit von Hand kopiert wurden, weshalb das Original und die Kopie durchaus unterschiedlich aussahen, waren die durch den Druck erstellte Kopien stets identisch. Der Druck hatte also den Weg zur Standardisierung der individuellen Form der Handschrift geebnet.

Die Erfindung der Druckpresse durch Gutenberg im 15. Jahrhundert war auch nur deswegen möglich, weil er einen Weg gefunden hat, wie die Druckplatten schnell gewechselt werden konnten. Sein Setzkasten bestand aus standardisierten Buchstaben, mit denen beliebige Texte gesetzt werden konnten. Die Texte konnten im Druckrahmen viel einfacher ausgetauscht werden. Die vorhergehende Standardisierung machte den Kopiervorgang viel effizienter.

Seither wurden das Verfahren sowie das Papier lediglich verbessert. Neue Drucktechniken und leistungsfähigere Maschinen haben den Durchsatz zwar enorm erhöht, die grundlegende Technik ist aber bis heute unverändert.

Ein grundlegend neuer Weg für den Informationsaustausch eröffnete sich erst durch die Elektrifizierung. Mitte des 19. Jahrhunderts schlug das Telegraph von Morse einen neuen Kapitel in dieser Geschichte auf und legte damit den Grundstein für die Digitaliserung. Diesen Kapitel lesen Sie im Teil 2 dieser Geschichte.